Geschichte des Bieres

Wir werfen ein wenig mit Jahreszahlen herum, aber schliesslich geht es hier um die Entstehung und Entwicklung des Gerstensafts. Nehmen Sie sich also ein Fläschchen aus dem Kühlschrank, lehnen sich zurück und lesen Sie:

Bier taucht in der Geschichte der Kulturen ab dem Zeitpunkt auf, da die notwendige Entwicklung vom Nomadenleben zum sesshaften, bäuerlichen Dasein vollzogen war. Der Beginn des Bierbrauens geht einher mit dem Pflanzen von Getreide und dessen Verarbeitung. Wobei sich nicht zweifelsfrei feststellen lässt, wo das erste Bier entstand und somit seit wann genau die Menschen Bier trinken. Es lässt sich aber sagen: Der Genuss von Bier trägt dazu bei, den Begriff der Kultur zu definieren. Wir sprechen in diesem Zusammenhang auch vom homo cervesia (Cervesia hiess das Bier bei den Römern, benannt nach der Göttin der Feldfrüchte, Ceres) – dem Bier trinkenden (Kultur-)Menschen, obwohl einige unserer Bier trinkenden Zeitgenossen sich auf das beste Bemühen, das Gegenteil zu beweisen – meist aus der Gattung homo delirium barlenarius.

Von den Ägyptern zu den Griechen und Römern

Vermutlich waren es die Babylonier, die den Ägyptern das Bier als Nationalgetränk beliebt zu machen verstanden. Archäologische Funde wie Wandgemälde und Skulpturen altägyptischer Gräber liefern reiche Hinweise auf die grosse Bedeutung des Bieres im Lande der Pharaonen.

Sowohl die Griechen als auch die Römer kamen mit dem Gebräu in Berührung. So richtig begeistern konnten sie sich jedoch nicht dafür. Anders war dies bei den Galliern: Die Vorfahren der Franzosen wollten sich von Eroberer Cäsar ihr Bier um keinen Preis verbieten lassen. Auch die Germanen schätzten den gegorenen Saft ausserordentlich. Nachgewiesen ist, dass sie den veredelten Gerstensaft sogar in religiösen Zeremonien einsetzten und ihn den Göttern als Opfer darbrachten.

Jeder Haushalt eine Brauerei

In der Zeit zwischen der Völkerwanderung und dem hohen Mittelalter stellte jeder Haushalt sein eigenes Bier her. Die Frauen brauten es so selbstverständlich, wie sie Brot buken. Gelang ihnen der Sud besonders gut, so luden sie ihre Nachbarinnen zum «Bierkränzchen» ein.

In vielen alten Rezeptbüchern ist der Begriff «Warmbier» enthalten: Dieses Getränk wurde am Morgen zubereitet und mit Ei, Ingwer und Muskatnuss angereichert. Mit diesen Zutaten stellte es für unsere Vorfahren nicht nur ein Frühstück dar, sondern bewährte sich auch als kostengünstiges Hausmittel.

Klöster erobern den Markt

MönchsbierSeit dem neunten Jahrhundert stellten auch die Klöster Bier her. In Germanien, Gallien, Britannien und bei verwandten Völkern verbesserten die Klosterbrauereien dessen Qualität so sehr, dass ihnen die Brau-wissenschaft wichtige Erkenntnisse verdankt. Dazu gehört unter anderem das Beifügen von Hopfen als Gewürzmittel.

Berühmt ist der Plan des Klosters St. Gallen aus dem Jahr 820, der gleich drei Brauereien aufzeigt. Eine Brauerei war für die Mönche; eine zweite für die Pilger und eine dritte für Gäste vorgesehen! In den Klöstern stellte Bier eine wichtige Ergänzung zu den Mahlzeiten dar. In der Fastenzeit galt die Regel, dass alles, was flüssig ist, auch während des Fastens genossen werden darf. Die Klöster brauten zunächst für den Eigenbedarf und zur Versorgung der vielen Besucher, die an die Pforte klopften, um Hunger und Durst zu stillen. Erst später begannen die Klöster mit dem gewerblichen Vertrieb des Bieres: Die Klosterschenken begannen wie Pilze aus dem Boden zu schiessen. Die Qualität der Klosterbiere galt als hervorragend, und der Preis dafür war günstig.

Die bürgerlichen Brauereien und Gaststätten vermochten diesbezüglich nicht mehr mitzuhalten und sahen in der Klosterbiererzeugung eine existenzbedrohende Konkurrenz. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts begannen viele Landesfürsten damit, den Klöstern den öffentlichen Verkauf ihres köstlichen Getränkes zu verbieten. Mit diesem Verbot wurde der Weg zur modernen Brauerei geebnet.

Schweiz: Kanton Bern als Vorreiter

Im 17. Jahrhundert erteilte auf dem Gebiet der Schweiz der Kanton Bern erstmals eine Bewilligung zur gewerbsmässigen Herstellung von Bier. Aber eine eigentliche Brauindustrie entwickelte sich erst mit der Nutzung der grossen technischen Erfindung: Die Dampfeisenbahn sorgte für kürzere Transportzeiten zwischen Getreideanbauer, Bierbrauer und Händler.

Von grösster Bedeutung für die Brautechnik war die im Jahre 1875 von Linde erfundene Kühlmaschine. Sie ermöglichte es den Brauern, während des ganzen Jahres eine gleich bleibende Bierqualität zu gewährleisten. Bereits 17 Jahre später wurde in der Schweiz mit der Abfüllung in Flaschen begonnen.

Bier statt Wein

Um 1885 hatte in der Schweiz das Bier den Wein als Nationalgetränk endgültig verdrängt und unter den dazumal 530 Brauereien begann sich mit den technischen Errungenschaften ein harter Konkurrenzkampf auszubreiten. Die kleinen Brauereien waren aus Kostengründen nicht imstande, davon zu profitieren und mussten der immer rationeller arbeitenden Konkurrenz weichen.

Quelle: Broschüre zum 100-jährigen Bestehen des Schweizerischen Bierbrauervereins, 1977.

Quelle: Deutscher Brauer-Bund e.V